Zum Inhalt springen

Glossar · R

RAG

Retrieval Augmented Generation. Pattern, bei dem ein LLM zuerst relevante Dokumente aus einem Index zieht und seine Antwort darauf stützt.

Definition

Retrieval Augmented Generation (RAG) ist ein Verfahren im Bereich der Künstlichen Intelligenz, das große Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) mit externen Informationsquellen kombiniert. Dabei werden relevante Dokumente oder Daten aus einem Index abgerufen, bevor das Modell eine Antwort generiert. Das Ziel ist, die Qualität und Genauigkeit der generierten Texte durch den Zugriff auf aktuelle oder spezialisierte Informationen zu verbessern.

Das Grundprinzip von RAG besteht darin, dass das Sprachmodell nicht allein auf seinem vortrainierten Wissen basiert, sondern durch eine Retrieval-Komponente ergänzt wird. Diese Komponente durchsucht eine Datenbank oder einen Dokumentenbestand nach passenden Inhalten, die dann als Kontext für die Textgenerierung dienen. Dadurch kann das Modell auch auf Informationen zugreifen, die nach dem Training entstanden sind oder speziell für eine Aufgabe relevant sind.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

RAG ist meist der sinnvollste Weg, eine KI mit Ihrem Firmenwissen arbeiten zu lassen, weil kein eigenes Modell trainiert werden muss und neue Dokumente sofort nutzbar sind. Vorab zu klären ist, welche Dokumente einbezogen werden, wer welche Inhalte sehen darf und wo die Daten verarbeitet werden. Ein typischer Fehler ist, alle vorhandenen Dateien ungeprüft einzuspeisen, denn dann beantwortet die KI Fragen auch mit veralteten Preislisten oder vertraulichen Unterlagen.

Hintergrund und Entwicklung

Das Konzept der Retrieval Augmented Generation wurde erstmals im Zusammenhang mit der Verbesserung von Frage-Antwort-Systemen und Chatbots erforscht. Ein bedeutender Beitrag stammt von Facebook AI Research (FAIR), die 2020 ein Modell namens RAG vorstellten, das Retrieval und Generation kombiniert. Seitdem hat sich das Verfahren in verschiedenen Anwendungen etabliert, insbesondere dort, wo aktuelle oder umfangreiche Wissensbestände benötigt werden.

Die Entwicklung von RAG ist Teil eines Trends, der versucht, die Grenzen von reinen Sprachmodellen zu überwinden, die nur auf statischem Wissen basieren. Durch die Integration von Retrieval-Mechanismen können Modelle flexibler und anpassungsfähiger auf neue Informationen reagieren. Diese Kombination nutzt Fortschritte in der Informationsretrieval-Forschung und der Sprachmodellierung.

Funktionsweise

RAG arbeitet in zwei Hauptschritten: Zunächst erfolgt die Suche nach relevanten Dokumenten in einem Index, der aus Texten, Datenbanken oder anderen Quellen bestehen kann. Dabei kommen häufig Vektor-Suchverfahren zum Einsatz, die semantische Ähnlichkeiten zwischen der Anfrage und den Dokumenten ermitteln. Die ausgewählten Dokumente dienen als Kontext für den zweiten Schritt, die Generierung der Antwort durch das Sprachmodell.

Im Generierungsschritt verarbeitet das LLM die abgerufenen Informationen zusammen mit der ursprünglichen Eingabe, um eine kohärente und inhaltlich fundierte Antwort zu erstellen. Diese Vorgehensweise ermöglicht es, präzisere und aktuellere Antworten zu liefern, als es durch das alleinige Training des Modells möglich wäre. Die Kombination von Retrieval und Generation erfolgt häufig in einem End-to-End-System.

Einsatzgebiete

RAG findet Anwendung in verschiedenen Bereichen, in denen die Verarbeitung großer und dynamischer Informationsmengen erforderlich ist. Beispiele sind Wissensmanagement, Kundensupport, medizinische Informationssysteme und juristische Recherche. Dort unterstützt RAG bei der schnellen Bereitstellung relevanter Informationen und der Erstellung verständlicher Antworten.

Auch in der Forschung und Entwicklung wird RAG genutzt, um komplexe Fragestellungen zu beantworten oder Dokumentationen zu analysieren. Die Fähigkeit, externe Datenquellen einzubeziehen, macht RAG besonders wertvoll für Aufgaben, bei denen aktuelle oder spezialisierte Kenntnisse entscheidend sind.

Abgrenzung zu verwandten Konzepten

Im Vergleich zu reinen Sprachmodellen, die ausschließlich auf ihrem Trainingsdatensatz basieren, erweitert RAG die Antwortgenerierung durch externe Informationsquellen. Dies unterscheidet es auch von klassischen Retrieval-Systemen, die nur Dokumente zurückliefern, ohne eigene Textgenerierung.

Alternative Ansätze sind beispielsweise Retrieval-basierte Chatbots, die Dokumente präsentieren, oder hybride Systeme, die Retrieval und Generierung getrennt behandeln. RAG integriert beide Schritte eng miteinander. Andere verwandte Konzepte sind Knowledge Graphs oder spezialisierte Datenbanken, die ebenfalls zur Wissensanreicherung genutzt werden, jedoch meist ohne direkte Generierung von Texten.