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Abstrakte Formen aus Glas und dunklem Papier: viele Punkte links, über gebogene Fäden mit einer Form rechts verbunden

Weiterleitungen beim CMS-Wechsel: die Redirect-Map gegen Rankingverluste

Eine Redirect-Map ordnet jeder alten URL genau ein Ziel zu: eine neue Seite per dauerhafter Weiterleitung oder den Status 410, wenn der Inhalt entfällt. Sie entsteht aus einer vollständigen Liste der alten Adressen, wird vor dem Go-live mit einem Skript getestet und danach wochenlang in der Search Console beobachtet.

11 min Lesezeit Marketing & SEO

Rankings und Links hängen an Adressen. Wechselt das CMS, ändern sich meist auch die URLs, und jede alte Adresse ohne Ziel liefert danach einen Fehler: für Besucher aus Lesezeichen, für Links anderer Websites und für Google. Laut Google schwankt die Sichtbarkeit während eines Umzugs vorübergehend. „Ohne Rankingverlust“ heißt hier deshalb: ohne Verlust durch fehlende, falsche oder verkettete Weiterleitungen.

Die sechs Schritte unten führen von der Liste der alten Adressen bis zur Beobachtung nach dem Go-live, mit einer Vorlage für die Tabelle und einem Testskript. Wo die Redirect-Map im Gesamtablauf eines Relaunchs steht, beschreibt Website-Relaunch planen.

Bestand

Alle alten URLs vollständig erfassen

Die Liste ist nur so gut wie ihre Quellen. Google nennt für einen Umzug vier Stellen, an denen Sie alte Adressen finden. Führen Sie die Ergebnisse in einer Tabelle zusammen und entfernen Sie Dubletten:

  • XML-Sitemaps der alten Website, weil dort die Adressen stehen, die Sie selbst für wichtig gehalten haben.

  • Das alte CMS, zum Beispiel ein Export aller Beiträge, Seiten, Kategorien und Medien aus WordPress oder TYPO3. Er findet Seiten, die in keiner Sitemap standen.

  • Serverprotokolle oder Webanalyse, ausgewertet nur nach aufgerufenen Pfaden. Sie zeigen Adressen, die Besucher tatsächlich nutzen, auch alte Kampagnen-URLs.

  • Der Bericht „Links“ in der Search Console mit den meistverlinkten Seiten, exportierbar als CSV-Datei. Externe Links auf eine Adresse sind der wichtigste Grund, sie weiterzuleiten.

Ergänzen Sie den Leistungsbericht der Search Console, Tab „Seiten“, für die letzten zwölf Monate. Adressen mit Klicks aus der Suche bekommen in Schritt 2 die meiste Sorgfalt. Vergessen Sie Dateien nicht: PDF-Datenblätter und Bilder haben eigene URLs und werden oft direkt verlinkt.

Zuordnung

Zuordnen: eins zu eins, zusammengelegt, entfallen

Jede Zeile bekommt eine von drei Entscheidungen:

  1. Eins zu eins: Der Inhalt zieht um, die neue Seite behandelt dasselbe Thema. Status 301.

  2. Zusammengelegt: Mehrere alte Seiten gehen in einer neuen auf, etwa drei kurze Leistungsseiten in einer ausführlichen. Jede alte Adresse zeigt per 301 auf die neue Seite, die den Inhalt tatsächlich enthält.

  3. Entfallen: Für den Inhalt gibt es keinen Nachfolger, etwa eine beendete Aktion. Status 410, ohne Weiterleitung.

Das Ziel einer Weiterleitung muss den alten Inhalt ersetzen. Eine allgemeine Kategorie- oder Startseite tut das nicht. Google rät ausdrücklich davon ab, viele alte URLs auf ein einzelnes, unpassendes Ziel wie die Startseite zu leiten, und kann solche Weiterleitungen als Soft-404 werten. Der Status 410 ist für diesen Fall die klarere Antwort.

Die Zuordnung ist auch der Moment, Inhalte aufzuräumen: Doppelte Seiten, die sich vorher gegenseitig Sichtbarkeit genommen haben, werden zusammengelegt. Seiten ohne Klicks und ohne anderen Zweck ordnet SEO ohne Buzzword-Bingo unter dem Stichwort Pruning ein. Wer von WordPress kommt, ordnet in derselben Tabelle die Felder zu; wie das aussieht, zeigt ACF-Felder nach Statamic übertragen.

redirect-map.csv (Vorlage; Trennzeichen Komma oder Semikolon, URLs ohne diese Zeichen, die Notiz darf sie enthalten) text
alte_url,neue_url,status,notiz
https://www.example.de/leistungen/webdesign.html,https://www.example.de/leistungen/website,301,eins zu eins
https://www.example.de/leistungen/seo.html,https://www.example.de/leistungen/website,301,"zusammengelegt, Abschnitt Suchmaschinen"
https://www.example.de/team.php,https://www.example.de/ueber-uns,301,eins zu eins
https://www.example.de/wp-content/uploads/2023/05/datenblatt.pdf,https://www.example.de/assets/datenblatt.pdf,301,"Datei, extern verlinkt"
https://www.example.de/aktion-sommer-2024,,410,"entfallen, kein Nachfolger"

Einrichtung

Weiterleitungen in Statamic und auf dem Server einrichten

Statamic 6 bringt im Kern keine Verwaltung für Weiterleitungslisten mit. Was der Kern kennt, ist das Feld redirect an einem Eintrag: Ruft jemand dessen URL auf, leitet Statamic weiter, laut Dokumentation standardmäßig mit 302, auf Wunsch mit 301. Gedacht ist das für Einträge, die etwa als Link in der Navigation stehen, nicht für hunderte alte Adressen, die es als Einträge gar nicht mehr gibt. Für eine Redirect-Map bleiben drei Wege:

  • Laravel-Routen in routes/web.php, wie es die Statamic-Dokumentation zeigt. Achtung: Route::redirect antwortet ohne dritten Parameter mit 302. Für dauerhafte Weiterleitungen nehmen Sie Route::permanentRedirect oder geben 301 ausdrücklich an. Eine Route, die mit abort(410) antwortet, liefert den Status 410.

  • Regeln im Webserver, bei Nginx mit der Anweisung return, die Weiterleitungen mit 301 oder 308 und auch den Status 410 ausgibt. Die Regel greift, bevor die Anfrage PHP erreicht, und eignet sich für lange Listen.

  • Ein Addon mit Pflege im Control Panel. Die Statamic-Dokumentation zum Wechsel von WordPress nennt dafür das Addon Redirect, für 301 und 302. Das Addon Peak SEO bringt eine Redirect-Liste als Global mit; laut Dokumentation greift sie erst, wenn sonst ein 404-Fehler entstünde, und kennt die Codes 301 und 302. Beide Dokumentationen nennen nur 301 und 302; für einen 410 bleiben Route oder Webserver.

Pflegen Sie die Tabelle in Excel, achten Sie beim Speichern auf das Format: Ein deutsches Excel speichert „CSV (Trennzeichen-getrennt)“ mit Semikolon statt Komma und „CSV UTF-8“ mit einer unsichtbaren Markierung am Dateianfang. Das Testskript unten kommt mit beidem zurecht, viele Importfunktionen von Addons und Servern nicht; prüfen Sie dort die erwartete Form.

Welcher Weg passt, hängt davon ab, wer die Liste später pflegt. Redaktionen arbeiten im Control Panel, lange Listen aus einer Migration liegen besser in Dateien unter Versionskontrolle.

Eine graue Leitung schlängelt sich mit vielen Knicken, eine gerade orange Leitung verbindet das erste Ventil direkt mit dem letzten.

Statuscodes

Statuscodes wählen und Ketten auflösen

Für dauerhafte Umzüge gibt es zwei Codes. Nach RFC 9110 bedeuten 301 und 308 beide, dass die Ressource dauerhaft eine neue Adresse hat. Der Unterschied: Bei 301 darf ein Browser aus historischen Gründen eine POST-Anfrage als GET wiederholen, bei 308 nicht. Google behandelt 308 wie 301, beides gilt als starkes Signal für das Ziel. 302 und 307 sind vorübergehend; Google wertet sie als schwaches Signal und zeigt laut Dokumentation weiter die alte Adresse in den Suchergebnissen. Für Formular-Endpunkte, die umziehen, passt deshalb 308, für normale Seiten reicht 301.

Bei entfallenen Inhalten unterscheidet RFC 9110: 410 sagt, dass die Ressource absichtlich und voraussichtlich dauerhaft entfernt wurde, 404 nur, dass sie nicht gefunden wurde. Google behandelt laut eigener Dokumentation alle 4xx-Codes außer 429 gleich und entfernt die URLs aus dem Index. Der 410 dokumentiert aber die Entscheidung aus Schritt 2 und lässt sich im Test von einem vergessenen Eintrag unterscheiden.

Ketten entstehen, wenn eine alte Weiterleitung auf eine Adresse zeigt, die nach dem Wechsel selbst weiterleitet. Googlebot folgt bis zu zehn Sprüngen. Google empfiehlt für Umzüge, Ketten zu vermeiden und direkt auf das Ziel zu leiten, und falls das nicht geht, die Kette kurz zu halten, möglichst nicht mehr als drei und weniger als fünf Sprünge. Lösen Sie deshalb beim Wechsel auch die Weiterleitungen früherer Relaunches auf: Jede alte Zeile zeigt direkt auf die neue Endadresse.

Wie viel Gewicht das bei mehreren Wechseln bekommt, haben wir bei der Website von MEISTERWERK Kfz-Gutachten erlebt. Wir betreuen sie seit Juli 2021, damals noch unter einem früheren Namen auf WordPress; seitdem hat sie zwei vollständige Plattform-Wechsel und einen Marken-Wechsel durchlaufen. Im Winter 2024 / 2025 wurden Firmenname, Domain und Corporate Identity neu. Mit sauberen Weiterleitungen und einer abgestimmten Schritt-für-Schritt-Umstellung haben wir die Sichtbarkeit gehalten; Vorher- und Nachher-Reports zeigen, dass sie nicht eingebrochen ist.

Abnahme

Testen vor und nach dem Go-live

Google empfiehlt, die Weiterleitungen zu testen, für einzelne URLs mit dem URL-Prüftool, für viele URLs mit Kommandozeilenwerkzeugen oder Skripten. Das Skript unten liest die Tabelle aus Schritt 2 und prüft jede Zeile nach der Regel dieses Beitrags: Bei 301 oder 308 antwortet die alte URL mit genau diesem Code, zeigt direkt auf das erwartete Ziel, und das Ziel antwortet mit 200, also genau ein Sprung. Bei 410 antwortet die alte URL direkt mit 410. Alles andere meldet es als Fehler, auch 302 statt 301, Ketten und Weiterleitungen auf ein anderes Ziel als in der Tabelle, etwa auf die Startseite. Ob das Ziel in der Tabelle selbst sinnvoll ist, prüft das Skript nicht; das bleibt die Entscheidung aus Schritt 2.

Lassen Sie das Skript vor dem Go-live gegen die Staging-Umgebung laufen und nach der Umstellung gegen die Live-Adresse, und danach noch einmal nach jedem Deployment in den ersten Wochen. Was die Website darüber hinaus technisch braucht, von robots.txt bis Canonical, prüft die Checkliste für technisches SEO. Ändern Sie außerdem die internen Links auf die neuen Adressen; Google rät dazu, und jeder interne Link über eine Weiterleitung ist eine Anfrage mehr.

redirects-pruefen.sh (Aufruf: bash redirects-pruefen.sh redirect-map.csv) bash
#!/usr/bin/env bash
# Prüft jede Zeile der Redirect-Map gegen den Server.
# Regel: 301/308 = genau ein Sprung auf das erwartete Ziel, das Ziel antwortet mit 200.
#        410     = die alte URL antwortet direkt mit 410, ohne Weiterleitung.
# Trennzeichen: Komma oder Semikolon (deutsches Excel). Zeilenenden aus
# Windows und die UTF-8-Markierung am Dateianfang werden entfernt.
# Für Staging vorher die Domain ersetzen, zum Beispiel:
#   sed 's#https://www.example.de#https://staging.example.de#g' redirect-map.csv > staging.csv
set -u
fehler=0
while IFS=',;' read -r alt neu status notiz || [ -n "$alt" ]; do
  alt=${alt#$'\xEF\xBB\xBF'}                   # UTF-8-Markierung aus Excel entfernen
  status=${status%$'\r'}                       # Zeilenende aus Windows entfernen
  [ "$alt" = "alte_url" ] || [ -z "$alt" ] && continue
  antwort=$(curl -s -o /dev/null --max-time 10 -w '%{http_code} %{redirect_url}' "$alt")
  code=${antwort%% *}
  ziel=${antwort#* }
  if [ "$status" = "410" ]; then
    if [ "$code" = "410" ]; then
      echo "OK      410  $alt"
    else
      echo "FEHLER  $alt: erwartet 410, erhalten $code ${ziel}"
      fehler=$((fehler + 1))
    fi
    continue
  fi
  if [ "$code" != "$status" ] || [ "$ziel" != "$neu" ]; then
    echo "FEHLER  $alt: erwartet $status auf $neu, erhalten $code auf ${ziel:-kein Ziel}"
    fehler=$((fehler + 1))
    continue
  fi
  zielcode=$(curl -s -o /dev/null --max-time 10 -w '%{http_code}' "$neu")
  if [ "$zielcode" != "200" ]; then
    echo "FEHLER  $alt: Ziel $neu antwortet mit $zielcode statt 200 (Kette oder Fehler)"
    fehler=$((fehler + 1))
    continue
  fi
  echo "OK      $status  $alt -> $neu"
done < "$1"
echo "$fehler Fehler"
[ "$fehler" -eq 0 ]

Nach dem Go-live

Die ersten Wochen in der Search Console beobachten

Für eine kleine bis mittlere Website nennt Google einige Wochen, bis der Großteil der Seiten unter der neuen Adresse erfasst ist. Prüfen Sie in dieser Zeit einmal pro Woche drei Stellen:

  • Bericht zur Seitenindexierung: Unter „Seite mit Weiterleitung“ stehen die alten Adressen, das ist erwartet. Neue Einträge unter „Nicht gefunden (404)“ sind alte URLs, die in der Tabelle fehlen; sie bekommen eine Zeile und werden mit dem Skript nachgetestet.

  • Leistungsbericht: Klicks und Impressionen der Seiten, mit den höchsten Klickzahlen aus der Suche vor dem Wechsel, verglichen mit ihren Nachfolgern.

  • Sitemaps-Bericht: Die neue Sitemap ist eingereicht und enthält nur neue Adressen. Warnungen zu Weiterleitungen in einer alten Sitemap sind laut Google während des Umzugs normal.

Wechselt zusätzlich die Domain, wie beim Markenwechsel von MEISTERWERK, kommt das Tool zur Adressänderung der Search Console dazu. Voraussetzungen laut Google: 301-Weiterleitungen mindestens von der alten Startseite, und Sie sind Inhaber beider Properties. Für einen Wechsel innerhalb derselben Domain, von http auf https oder zwischen Adressen mit und ohne www ist es nicht gedacht. Wie Weiterleitungen, Inhalte und Technik nach dem Wechsel zusammen weiterbetreut werden, steht auf unserer Seite zur Suchmaschinenoptimierung.

Ihre alten Adressen in einer Tabelle

Exportieren Sie die Sitemap Ihrer bestehenden Website und zählen Sie die Adressen. Mit dieser Zahl und dem Zielsystem lässt sich einordnen, welches Paket unseres Statamic-Migration-Sprints passt; die Pakete kosten ab 14.900 Euro netto, URL-Inventur und Redirect-Map sind darin fest eingeplant.

Zum Statamic-Migration-Sprint

Zu Weiterleitungen

Häufige Fragen

  • Google empfiehlt, Weiterleitungen nach einem Umzug so lange wie möglich zu behalten, im Allgemeinen mindestens ein Jahr. Beim Wechsel der Domain mit dem Tool zur Adressänderung nennt Google mindestens 180 Tage, länger, solange noch Besucher aus der Suche über die alten Adressen kommen. Solange externe Links auf alte Adressen bestehen, bringen die Weiterleitungen Besucher; einen Grund, sie aktiv zu entfernen, sehen wir deshalb nicht.

  • Nein. Google rät davon ab, viele alte Adressen auf ein einzelnes unpassendes Ziel wie die Startseite zu leiten, und kann das als Soft-404 werten. Leiten Sie nur dorthin weiter, wo der alte Inhalt tatsächlich weiterlebt. Gibt es keinen Nachfolger, antwortet die Adresse mit 410.

  • Ein 301 sagt, dass ein Inhalt dauerhaft unter einer neuen Adresse zu finden ist; Besucher und Suchmaschinen landen dort. Ein 410 sagt, dass der Inhalt absichtlich und voraussichtlich dauerhaft entfernt wurde, ohne Nachfolger. Google entfernt beide alten Adressen aus dem Index, beim 301 wandert das Ziel an ihre Stelle.

Nachweise

Quellen und Stand

Stand: 15.09.2026. Statuscodes nach RFC 9110, Verhalten der Google-Suche laut Google-Dokumentation, Weiterleitungen in Statamic 6, Laravel 13 und Nginx laut Hersteller-Dokumentation. Das Testskript wurde unter macOS mit bash 3.2 und curl 8.7 gegen einen lokalen Testserver mit richtigen und fehlerhaften Weiterleitungen geprüft, mit Komma- und Semikolon-Dateien, Windows-Zeilenenden und UTF-8-Markierung.