Unternehmensvideos planen: vom Ziel zum Drehtag
Ein Unternehmensvideo planen Sie vom Ziel her: ein Ziel und eine Zielgruppe je Video, daraus Kanal und Länge, danach Skript und Drehtag. Wer Hochformat-Clips, Fotos und Untertitel schon im Drehplan vorsieht, gewinnt aus einem Drehtag mehrere Formate.
Was am Drehtag nicht aufgenommen wurde, fehlt später im Schnitt, und ein Satz, der im Interview nicht fiel, lässt sich nicht nachtragen. Wie viel eine Produktion hergibt, entscheidet deshalb die Planung vor dem Drehtag.
Der Weg führt vom Ziel über Ablauf und Rechte bis zum Einsatz. Dazu gehört eine Drehplan-Vorlage für einen Drehtag, aus dem ein Hauptfilm, kurze Hochformat-Clips, Fotos und Untertitel entstehen.
Ein Ziel pro Video
Jedes Video bekommt genau ein Ziel und eine Zielgruppe. Ein Recruiting-Film soll Bewerber zu einer Bewerbung bringen, ein Erklärvideo soll Kunden eine Funktion verständlich machen, ein Vorstellungsfilm auf der Leistungsseite soll vor dem Erstgespräch Vertrauen schaffen. Die drei Ziele verlangen unterschiedliche Menschen vor der Kamera, unterschiedliche Längen und unterschiedliche Kanäle.
Wer alles in einen Film packt, bekommt einen Film, der keiner Zielgruppe ganz gerecht wird: Bewerber sehen Produktdetails, Kunden sehen Teamfeiern. Besser ist ein Hauptfilm für das wichtigste Ziel und kurze Ableger für die übrigen, die am selben Tag mitgedreht werden. Aus dem Ziel leiten Sie die Kennzahl ab, an der Sie das Video später messen: Bewerbungen über die Karriereseite, Anfragen nach dem Aufruf der Leistungsseite, weniger Rückfragen im Support.
Ablauf einer Produktion
Eine Videoproduktion läuft in sechs Phasen, und jede liefert ein Ergebnis, das die nächste braucht.
Briefing: Ziel, Zielgruppe, Kanäle, Länge, Ton, Pflichtinhalte, Termine und wer freigibt.
Konzept und Skript: Ablauf der Szenen, Interviewfragen, Sprechertext, Liste der Bilder, die gebraucht werden.
Vorbereitung: Drehorte besichtigen, Personen auswählen und Einwilligungen einholen, Requisiten und Kleidung abstimmen, Zeitplan für den Drehtag.
Drehtag: Aufnahmen nach Drehplan, Fotos zwischen den Szenen, Ton gesondert prüfen.
Schnitt: Rohschnitt, eine oder zwei Korrekturrunden, Farbe, Ton, Musik, Untertitel.
Ausspielung: Exporte je Kanal, Vorschaubilder, Titel und Beschreibungen, Einbindung auf der Website.
Verzögerungen entstehen an den Übergängen, wenn eine Freigabe fehlt. Legen Sie im Briefing fest, wer Skript und Rohschnitt freigibt und wie viele Korrekturrunden vorgesehen sind. Wie wir Film, Foto und Strategie in der Planung verbinden, steht auf unserer Seite zu Content Marketing mit Video und Fotografie.
Aus einem Drehtag mehrere Formate
Mehrere Formate entstehen beim Planen der Einstellungen; der Schnitt kann nur verwenden, was aufgenommen wurde. Ein Hauptfilm im Querformat 16:9 lässt sich nur begrenzt in ein Hochformat 9:16 umschneiden, weil dabei links und rechts der größte Teil des Bildes wegfällt. Wichtige Szenen werden deshalb entweder mit einer zweiten Kamera im Hochformat aufgenommen oder so weit gefasst, dass der Bildausschnitt für beide Formate trägt.
Die Formate richten sich nach den Plattformen. YouTube zeigt Videos am Computer standardmäßig im Seitenverhältnis 16:9. Seit dem 15.10.2024 ordnet YouTube Videos mit quadratischem oder vertikalem Format und höchstens drei Minuten Länge als Shorts ein. LinkedIn nennt in seiner Hilfe für Videos in Beiträgen Seitenverhältnisse zwischen 1:2,4 und 2,4:1 und eine Länge bis 15 Minuten. Welche Kanäle für Ihr Unternehmen infrage kommen, hängt an Ihrer Zielgruppe; was wir für soziale Kanäle anbieten, steht auf unserer Seite zu Social Media Marketing.
Wenig Aufwand am Drehtag spart später Arbeit im Schnitt: ein eigenes Mikrofon für jede sprechende Person, weil Untertitel und Zitate auf sauberem Ton aufbauen, und Fotos zwischen den Szenen, solange Licht, Kleidung und Drehort ohnehin bereitstehen. Ein Ablaufzettel mit den Interviewfragen und Zeitmarken hilft außerdem, Antworten im Material schnell wiederzufinden.
Uhrzeiten und Inhalte sind ein Beispiel für einen Drehtag mit zwei Drehorten; Formate und Zeiten an Ihr Briefing anpassen.
DREHPLAN EIN DREHTAG Datum: __.__.____
Ziel Hauptfilm: .............................. Zielgruppe: ...........
Freigabe Skript: .................. Freigabe Schnitt: .................
FORMATE AUS DIESEM TAG
A Hauptfilm 16:9 60-90 s Website (Leistungsseite), YouTube
B Clips 9:16 je 20-40 s YouTube Shorts, LinkedIn, Karriereseite
3 Stück: Frage 1, Frage 3, Werkstatt-Rundgang
C Fotos quer und hoch, ca. 20 Stück (Team, Arbeitsplätze, Produkt)
D Untertitel Deutsch als SRT-Datei für A und jeden Clip aus B
E Interviewton ungeschnitten, für Zitate in Texten und Präsentationen
ZEITPLAN (BEISPIEL)
07:30 Aufbau Licht und Ton, Drehort 1 (Besprechungsraum)
08:30 Interview Geschäftsführung, 3 Fragen
Kamera 1: 16:9 halbnah -> A
Kamera 2: 9:16 nah -> B (Frage 1)
09:30 Fotos Geschäftsführung, quer und hoch -> C
10:00 Interview Mitarbeiterin Projektleitung, 3 Fragen
wie 08:30, Kamera 2 für Frage 3 -> B
11:00 Umbau, Wechsel zu Drehort 2 (Werkstatt)
12:00 Mittagspause, Einwilligungen der Personen in der Werkstatt prüfen
13:00 Szenen ohne Ton: Hände, Maschinen, Produkt -> A, B
jede Einstellung zusätzlich 10 s im Hochformat
14:30 Rundgang mit Erklärung, Kamera 2 hochkant -> B (Rundgang)
15:30 Fotos Team und Arbeitsplätze -> C
16:30 Raumton je Drehort 60 s, Ersatzaufnahmen
17:30 Abbau, Datensicherung auf zwei Datenträger
VOR DREHSCHLUSS ABHAKEN
[ ] Einwilligung jeder erkennbaren Person liegt schriftlich vor
[ ] Personen ohne Einwilligung sind nicht im Bild oder nicht erkennbar
[ ] jede Einstellung für B auch im Hochformat vorhanden
[ ] Ton jedes Interviews einmal mit Kopfhörer abgehört
[ ] Musik: Lizenz deckt Website, YouTube und LinkedIn ab
[ ] Material doppelt gesichert, Ablageort notiert: ....................
Rechte und Freigaben klären
Wer in einem Video erkennbar ist, muss in die Veröffentlichung einwilligen. § 22 Kunsturhebergesetz (KUG) erlaubt die Verbreitung von Bildnissen nur mit Einwilligung des Abgebildeten; als erteilt gilt sie im Zweifel, wenn die Person für das Abbilden eine Entlohnung erhielt. § 23 KUG nennt Ausnahmen, etwa für Personen, die nur als Beiwerk neben einer Örtlichkeit erscheinen, oder für Versammlungen. Für einen Imagefilm, in dem Mitarbeiter gezielt gezeigt werden, greifen diese Ausnahmen nicht, und nach § 23 Abs. 2 KUG enden sie dort, wo ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten verletzt wird.
Für Mitarbeiter hat das Bundesarbeitsgericht am 19.02.2015 (8 AZR 1011/13) entschieden, dass die Einwilligung im Arbeitsverhältnis der Schriftform bedarf. Sie endet nach dem Urteil nicht automatisch mit dem Arbeitsverhältnis, und ein Widerruf braucht einen plausiblen Grund. Das Urteil stammt aus der Zeit vor der DSGVO. Nach Art. 7 Abs. 3 DSGVO lässt sich eine datenschutzrechtliche Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, und § 26 Abs. 2 BDSG verlangt für Einwilligungen von Beschäftigten Schrift- oder elektronische Form sowie eine Aufklärung in Textform über Zweck und Widerrufsrecht. Wie beide Linien zusammenpassen, ist nicht abschließend geklärt. Planen Sie den Schnitt deshalb so, dass sich einzelne Personen später entfernen lassen, etwa durch Szenen ohne erkennbare Gesichter als Ersatz.
Für Musik brauchen Sie eine Lizenz, die die Nutzung im Video und auf allen geplanten Kanälen abdeckt; eine Lizenz für die Website schließt Werbeanzeigen oder Plattformen nicht von selbst ein. Dasselbe gilt für Stockaufnahmen und Schriften im Abspann. Wer auf fremdem Gelände dreht, beim Kunden oder auf einer Messe, klärt die Drehgenehmigung vorher mit dem Hausherrn.
Wo das Video eingesetzt wird
Der Hauptfilm gehört an die Stelle, an der die Zielgruppe die Entscheidung trifft, für die er gedreht wurde: der Recruiting-Film auf die Karriereseite und in Stellenanzeigen, der Vorstellungsfilm auf die Leistungsseite neben das Kontaktformular, das Erklärvideo in die Hilfe oder das Kundenportal. Die Hochformat-Clips verweisen auf den Hauptfilm oder die Seite, auf der er steht.
Untertitel gehören zu jedem Format. Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.2) verlangen im Erfolgskriterium 1.2.2 auf Stufe A Untertitel für aufgezeichnete Audioinhalte in Videos. Ob Ihre Website unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz fällt, klärt BFSG: Welche Websites seit Juni 2025 barrierefrei sein müssen. Planen Sie die Untertitel deshalb als eigene Dateien ein, wie im Drehplan vorgesehen, damit sie für jede Plattform und den Videoplayer Ihrer Website bereitliegen.
Vor dem Dreh
Häufige Fragen
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Ziel und Zielgruppe, die Kanäle mit Format und Länge, Pflichtinhalte und Aussagen, die auf keinen Fall fehlen dürfen, dazu Ton und Beispiele, die gefallen oder nicht gefallen. Außerdem gehören Termine, Budgetrahmen, die Namen der Personen vor der Kamera und die Person, die Skript und Schnitt freigibt, hinein. Ein Briefing auf zwei Seiten genügt, wenn jede dieser Angaben darin steht.
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Sobald Mitarbeiter erkennbar sind und das Video veröffentlicht wird. Das Bundesarbeitsgericht verlangt dafür im Arbeitsverhältnis die Schriftform, und das BDSG verlangt schriftliche oder elektronische Einwilligung mit Aufklärung über Zweck und Widerrufsrecht. Holen Sie die Einwilligung vor dem Drehtag ein und nennen Sie darin Kanäle und Dauer der Nutzung.
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Für Website und YouTube-Hauptvideos 16:9, für YouTube Shorts und Clips in sozialen Netzwerken 9:16 oder quadratisch, bei Shorts höchstens drei Minuten. LinkedIn akzeptiert laut eigener Hilfe Seitenverhältnisse von 1:2,4 bis 2,4:1. Wer beide Ausrichtungen braucht, plant sie am Drehtag ein, statt das Querformat nachträglich zu beschneiden.
Vor dem ersten Drehtag
Füllen Sie die Drehplan-Vorlage mit Ihrem Ziel und Ihren Kanälen aus, bevor Sie Angebote für die Produktion einholen. Wie wir Videoproduktion, Fotografie und die Verteilung auf die Kanäle zusammen planen, steht auf der Seite zu unserem Content Marketing.
Nachweise
Quellen und Stand
Stand: 25.09.2026. Keine Rechtsberatung; für Einwilligungserklärungen und Musiklizenzen im konkreten Fall empfiehlt sich eine anwaltliche Prüfung.
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