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Glossar · H

HL7

Health Level 7. Klassischer Standard für den Austausch medizinischer Daten - meist im Pipe-und-Hat-Format (v2), zunehmend abgelöst durch FHIR.

Definition

HL7 steht für Health Level 7 und bezeichnet eine Reihe von internationalen Standards für den Austausch, die Integration, gemeinsame Nutzung und Rückfrage von elektronischen Gesundheitsinformationen. Der Begriff Health Level 7 bezieht sich auf die siebte Schicht des OSI-Modells, die Anwendungsschicht, auf der die Kommunikation zwischen Softwaresystemen stattfindet. HL7-Standards werden vor allem im Gesundheitswesen eingesetzt, um eine interoperable Kommunikation zwischen unterschiedlichen Systemen wie Krankenhausinformationssystemen, Laborinformationssystemen oder Praxisverwaltungssystemen zu ermöglichen.

Der HL7-Standard umfasst verschiedene Versionen und Spezifikationen, wobei HL7 Version 2 (HL7 v2) der am weitesten verbreitete Standard ist. HL7 v2 definiert ein textbasiertes Nachrichtenformat, das häufig als Pipe-und-Hat-Format bezeichnet wird, da es spezielle Trennzeichen wie das Pipe-Symbol (|) und das Dach (^) verwendet. Neben HL7 v2 gibt es weitere Standards wie HL7 Version 3 und das neuere FHIR (Fast Healthcare Interoperability Resources), das eine modernere und weborientierte Datenmodellierung bietet.

Geschichte und Entwicklung

Der HL7-Standard wurde Anfang der 1980er Jahre von der Organisation Health Level Seven International entwickelt, die 1987 gegründet wurde. Ziel war es, eine einheitliche Schnittstelle für den Datenaustausch im Gesundheitswesen zu schaffen, um die Integration heterogener Systeme zu erleichtern. HL7 v2 wurde erstmals 1987 veröffentlicht und hat sich seitdem in zahlreichen Revisionen weiterentwickelt, wobei die Grundstruktur und das Nachrichtenformat weitgehend erhalten blieben.

Mit der zunehmenden Digitalisierung und den neuen Anforderungen an Interoperabilität und Web-Technologien entstand HL7 Version 3, die ein objektorientiertes Datenmodell und XML-basierte Nachrichtenformate einführte. Aufgrund der Komplexität von HL7 v3 und der langsamen Verbreitung wurde später FHIR entwickelt, das 2014 erstmals veröffentlicht wurde und auf modernen Webstandards wie RESTful APIs, JSON und XML basiert. FHIR gewinnt seitdem stark an Bedeutung und wird als Nachfolger von HL7 v2 und v3 angesehen.

Funktionsweise und Aufbau

HL7 v2-Nachrichten bestehen aus Segmenten, die durch Zeilen getrennt sind, und Feldern, die durch spezielle Trennzeichen wie das Pipe-Zeichen (|) voneinander abgegrenzt werden. Jedes Segment hat eine definierte Bedeutung, zum Beispiel das MSH-Segment für Nachrichtenkopf oder das PID-Segment für Patientendaten. Die Nachrichten sind in der Regel textbasiert und können unterschiedliche Nachrichtentypen wie ADT (Admission, Discharge, Transfer) oder ORM (Order Message) enthalten.

FHIR hingegen basiert auf modularen Ressourcen, die einzelne klinische und administrative Datenobjekte repräsentieren, wie Patienten, Beobachtungen oder Medikationen. Diese Ressourcen können über Web-APIs abgerufen, erstellt oder aktualisiert werden. FHIR unterstützt verschiedene Datenformate, darunter JSON und XML, und nutzt moderne Webprotokolle, um eine flexible und skalierbare Integration zu ermöglichen.

Einsatzgebiete

HL7-Standards werden weltweit in Krankenhäusern, Arztpraxen, Laboren und anderen Gesundheitseinrichtungen eingesetzt, um den Austausch von Patientendaten, Laborergebnissen, Termininformationen und anderen medizinischen Informationen zu standardisieren. HL7 v2 ist besonders in etablierten Systemen verbreitet und wird häufig für die Kommunikation zwischen klinischen Informationssystemen verwendet.

Mit der Verbreitung von FHIR werden zunehmend Anwendungen entwickelt, die mobile Geräte, Cloud-Dienste und Patientenportale integrieren. FHIR erleichtert die Entwicklung von interoperablen Gesundheits-Apps und unterstützt die Umsetzung von Initiativen wie der elektronischen Patientenakte. Dennoch existieren in vielen Einrichtungen weiterhin HL7 v2-basierte Schnittstellen, die parallel zu FHIR genutzt werden.

Abgrenzung zu verwandten Standards

HL7 v2 unterscheidet sich von HL7 v3 vor allem durch das Nachrichtenformat und die Komplexität. Während HL7 v2 ein einfaches, textbasiertes Format verwendet, setzt HL7 v3 auf ein komplexes, objektorientiertes Modell und XML. HL7 v3 konnte sich aufgrund dieser Komplexität und Implementierungshürden nicht flächendeckend durchsetzen.

FHIR stellt eine moderne Alternative zu den älteren HL7-Standards dar und kombiniert die Vorteile von HL7 v2 und v3 mit zeitgemäßen Webtechnologien. Im Gegensatz zu HL7 v2 ist FHIR modular und leichter erweiterbar. Andere Standards im Gesundheitswesen sind beispielsweise DICOM für bildgebende Verfahren oder CDA (Clinical Document Architecture), das ebenfalls von HL7 entwickelt wurde und strukturierte Dokumente beschreibt.